Warsteiner kämpft gegen den Abstieg

Eine Brauerei in der Restrukturierung

Warsteiner kämpft gegen den Abstieg – Eine Brauerei in der Restrukturierung

Die Privatbrauerei Warsteiner, einst Deutschlands größte Biermarke, steckt in ihrer tiefsten Krise. Die Muttergesellschaft Haus Cramer Gruppe fährt einen radikalen Sanierungskurs, an dessen Spitze seit 23. Juli 2026 der 65-jährige Sanierungsprofi Bodo-Joachim Wendenburg steht.

Vom Branchenprimus zum Sanierungsfall

Mitte der 1990er-Jahre verkaufte Warsteiner rund 6,3 Millionen Hektoliter Bier und war Deutschlands größte Brauerei. Bis 2006 hatte sich der Absatz bereits auf 3,2 Mio. Hektoliter halbiert, der Gruppenumsatz lag bei 535 Mio. Euro. Heute sind es nur noch rund 1,7 bis 1,8 Mio. Hektoliter. Der Umsatz wird auf rund 350 Mio. Euro geschätzt. Im ersten Halbjahr 2026 brachen die Absätze um weitere 10,5 Prozent ein. Die Tochter Herforder verlor sogar 11 Prozent. Der Sanierer Wendenburg ist bereits der fünfte Firmenchef binnen zehn Jahren. Alleininhaberin Catharina Cramer, seit 20 Jahren an der Spitze, musste zuletzt offenbar privat aushelfen, jüngst - so wird vermutet - mit rund 20 Millionen Euro sowie einer Patronatserklärung.

Der Rotstift des neuen Chefs

Wendenburg, zuvor Berater bei Executive Interim Partners, treibt seit Frühjahr 2026 ein hartes Sparprogramm voran:

  • Kapazitätsabbau um 30 Prozent: Herford schließt 2026, Paderborn wird verkauft oder stillgelegt. Die Marken bleiben wohl, werden aber künftig in Warstein gebraut.

  • 220 Stellen sind betroffen, dafür gibt es einen Sozialtarifvertrag mit der Gewerkschaft NGG.

  • Der für den Herbst geplante Markenrelaunch – inklusive der beabsichtigten Streichung des Logo-Zusatzes „seit 1753“ – wurde aus Kostengründen gestoppt. Schon die Vorgänger-Kampagne „Der Mann im Kühlschrank“ (2023), die über 40 Millionen Euro verschlungen haben soll, wurde nach einem Jahr wieder eingestellt.

  • Kooperationen werden ausgemistet: Weiterhin wurde die Bierpartnerschaft mit Motel One (über 60 Hotels) aus Kostengründen beendet, die mit dem Kongresshotel Sauerland-Stern in Willingen steht ebenfalls zur Disposition. Bereits 2025 ging das Sponsoring von Rock am Ring und Rock im Park an San Miguel verloren, und selbst die Montgolfiade steht wegen sechsstelliger Verluste zur Diskussion.

  • Vertrieb, Lohnbrau und Export wurden unter Adriano Leo gebündelt, während mehrere Manager gingen – Vertriebschef Marco Schulze, der freigestellte Raphael Rauer und Technikchef Jens Hoffmann, der zu Bitburger wechselt.

Ob die Rosskur in einem schrumpfenden Biermarkt reicht, wird die nahe Zukunft zeigen.

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