Vierzig Jahre nach seinem Entwurf ist er wieder da: der Türdrücker FSB 1138 von Dieter Rams. Der Beschlaghersteller FSB aus Brakel in Ostwestfalen hat den Klassiker von 1986 überarbeitet, behutsam und in engster Abstimmung mit dem Designer selbst.
FSB im Kurzprofil
Franz Schneider Brakel, kurz FSB, 1881 vom Gürtlermeister Franz Schneider gegründet, zählt zu den traditionsreichsten Namen der deutschen Beschlagindustrie. Heute fertigt FSB mit rund 600 Beschäftigten ausschließlich in Deutschland Türdrücker, Fenstergriffe und Beschläge, insgesamt mehr als 25.000 Artikel. In den 1980er-Jahren schrieb das Haus Designgeschichte: Otl Aicher formulierte die „Vier Gebote des Greifens“ und gestaltete das Logo nach der Türklinke von Ludwig Wittgenstein. 1986 lud FSB zum legendären Türklinken-Workshop mit Mario Botta, Peter Eisenman, Arata Isozaki, Hans Hollein, Alessandro Mendini und Dieter Rams. Im selben Jahr entstand die Serie FSB 1138 von Rams.
Der Relaunch
Das Kürzel rgs steht für „rams grau schwarz“. Die Neuauflage wird vollständig aus Aluminium in Brakel produziert. Das typische Grau erscheint in der Oberfläche „Aluminium Pure“. Im Inneren hält die FSB-ASL-Lagerung die Handhabe dauerhaft präzise in Position. Aluminium altert ohne Qualitätsverlust und lässt sich sortenrein recyceln. Angeboten werden ausgewählte Tür- und Fenstergriffe, mit Rosette oder als Steckgriff, zweifarbig oder komplett schwarz eloxiert. Eine neue Produktfamilie soll es ausdrücklich nicht werden. Es geht um die zeitgemäße Rückkehr eines Klassikers.
Der Ansatz von Dieter Rams
Rams hat sein Designverständnis in zehn Thesen verdichtet. Drei davon erklären den 1138 besonders gut:
Gutes Design ist so wenig Design wie möglich: „Weniger, aber besser“: Rams’ Leitsatz zielt auf das Wesentliche statt auf Überflüssiges. Der 1138 verzichtet auf jede Geste, die nicht der Funktion dient.
Gutes Design macht ein Produkt brauchbar: Ein Türdrücker wird täglich dutzendfach gegriffen. Seine Form muss sich der Hand ohne Erklärung erschließen. FSB zitiert den Gestalter mit den Worten: „Einfach ist besser als kompliziert. Leicht ist besser als schwer.“
Gutes Design ist langlebig: Rams’ siebte These ist der eigentliche Kern des Relaunchs. Die Innovation steckt hier nicht in einer neuen Form, sondern in Material und Lagerung. Nachhaltig ist das Produkt, weil es lange hält, nicht weil es der Mode folgt.
Vorbild für Steve Jobs und Apple
Wie weit dieses Denken reicht, zeigt Apple. Rams leitete von 1961 bis 1995 die Formgebung bei Braun. Steve Jobs sammelte Braun-Geräte und schätzte die Entwürfe von Rams. Apples Chefdesigner Jony Ive bedankte sich ausdrücklich bei ihm für die Inspiration. Der erste iPod von 2001 erinnert deutlich an das Transistorradio T3, das Rams 1958 für Braun entwarf. Rams selbst adelte Apple: „Die Firmen, die Design wirklich ernst nehmen, können Sie an zehn Fingern abzählen. Apple gehört dazu.“ Ob iPhone oder Türdrücker, die Idee ist dieselbe: weniger, aber besser.


