Gewerbesteuer in NRW zu hoch

Unternehmen werden von Kommunen geschröpft

iStock, VanReeel

Kaum ein anderes Bundesland belastet seine Unternehmen bei der Gewerbesteuer so stark wie Nordrhein-Westfalen. Nach der aktuellen Hebesatzumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) für die 716 deutschen Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern liegt der durchschnittliche Hebesatz in NRW 2025 bei 474 Prozent – zwei Punkte höher als im Vorjahr und weit über dem Bundesdurchschnitt von 438 Prozent, der selbst einen historischen Höchststand markiert. Einzig Brandenburg bleibt mit 386 Prozent unter der 400-Prozent-Marke; Baden-Württemberg lag im Vorjahr noch knapp darunter.

Konkret bedeutet das: Ein mittelständisches Unternehmen mit zwei Millionen Euro Jahresgewinn zahlt in NRW rund 30.000 bis 52.000 Euro mehr Gewerbesteuer pro Jahr als vergleichbare Betriebe in Niedersachsen oder Baden-Württemberg. Auch innerhalb NRWs klafft die Belastung weit auseinander: Oberhausen und Mülheim erheben mit 580 Prozent die höchsten Hebesätze bundesweit, Leverkusen und Monheim mit 250 Prozent die niedrigsten. Inklusive Körperschaftsteuer ergibt sich daraus eine Gesamtbelastung für Kapitalgesellschaften von 35,3 Prozent in Oberhausen/Mülheim gegenüber 23,75 Prozent in Leverkusen/Monheim.

International führend

International verschärft sich das Bild: Laut Bundesfinanzministerium liegt die tarifliche Steuerbelastung deutscher Kapitalgesellschaften bei rund 30 Prozent – nach Malta und Japan der dritthöchste Wert unter den Vergleichsländern – während der OECD-Durchschnitt nur bei etwa 23,6 bis 24 Prozent liegt.

Kommunen wiegeln ab

DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov nennt die Gewerbesteuer einen "deutschen Sonderweg", weil eine solche zusätzliche regionale Unternehmensbelastung neben Körperschaft- und Einkommensteuer weltweit einzigartig sei. Reformen scheiterten bisher daran, dass Kommunen dazu nicht bereit seien und von ihren Ländern nicht unterstützt würden.

Die Kommunen weisen die Kritik zurück: Angesichts eines für 2026 erwarteten Defizits der Städte und Gemeinden von rund 30 Milliarden Euro seien bisherige Erhöhungen "sehr maßvoll", so der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Hauptursache seien nicht ausfinanzierte Sozialaufgaben von Bund und Ländern; gefordert wird ein höherer kommunaler Anteil an den Gemeinschaftssteuern, bevor über Entlastungen bei der Gewerbesteuer verhandelt werden könne.

Fazit: Damit bleibt NRW im Kern eines strukturellen Dilemmas gefangen: Steigende Hebesätze sollen kommunale Haushaltslöcher stopfen, drohen aber genau jene Unternehmen zu vertreiben, deren Steuerkraft die Kommunen dringend benötigen.

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