Die Deutschen leben derzeit in zwei Welten. Für alle, die im öffentlichen Dienst arbeiten oder eine gute Rente bzw. Pension erhalten, ist die Lage prima. Wer jedoch im harten Wind des Wettbewerbs der “freien” Wirtschaft arbeitet, spürt zunehmend die Wirtschaftskrise, die von vielen Politikern und Medien schöngeredet wird. Doch die harten Zahlen täuschen nicht. Dazu gehören auch Indikatoren der Zahlungsmoral.
Deutsche Unternehmen müssen wieder länger auf ihr Geld warten – und die Kluft zwischen Groß- und Kleinbetrieben wird dabei größer. Das zeigt der aktuelle Creditreform Zahlungsindikator Deutschland – Sommer 2026, für den rund vier Millionen überfällige Rechnungsbelege mit einem Volumen von 7,3 Milliarden Euro ausgewertet wurden.
1. Halbjahr 2026
Im ersten Halbjahr 2026 gewährten Lieferanten und Kreditgeber ihren Kunden im Schnitt ein Zahlungsziel von 32,21 Tagen. Das ist der höchste Stand seit 2019. Das sind 0,75 Tage mehr als im Vorjahreszeitraum und gut zwei Tage mehr als noch 2023. Der Trend lässt sich generell mit der angespannten Wirtschaftslage erklären. Vor allem die sprunghaft gestiegenen Material- und Kraftstoffpreise infolge der Eskalation im Nahen Osten belasteten in den vergangenen Monaten viele Unternehmen, so dass ein Entgegenkommen der Lieferanten erforderlich wurde.
Von dieser Kulanz profitieren allerdings längst nicht alle gleich. Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten erhielten durchschnittlich 35,5 Tage Zahlungsziel – drei Tage mehr als 2023. Kleinunternehmen mussten sich dagegen mit lediglich 26,4 Tagen begnügen. Von der Ausweitung der Zahlungsfristen profitieren damit vor allem große, bonitätsstarke Abnehmer, die gegenüber ihren Lieferanten eine entsprechend starke Verhandlungsposition haben.





