Ostwestfalen-Lippe (OWL) ist ein attraktiver Standort für mittelständische Produzenten. Dazu gehört auch die Möbelindustrie, die aktuell von Umsatzrückgängen geplagt ist und auch bereits Insolvenzen zu verzeichnen hat (z. B. Interlübke).
Möbel-Cluster OWL
Knapp 30 bis 40 Prozent des bundesweiten Möbelumsatzes werden in NRW erwirtschaftet, ein erheblicher Teil davon in OWL. Im Küchenbereich stammen fast zwei Drittel des gesamten deutschen Branchenumsatzes aus der Region OWL. Dort sitzen rund 25–28 Küchenhersteller mit etwa 10.000 Beschäftigten und einem Umsatz von zuletzt rund 3,6–3,9 Mrd. Euro pro Jahr.
Damit ist OWL ein klarer Cluster-Standort mit hoher Spezialisierung, starker Exportorientierung und ausgeprägten Zuliefernetzwerken in der Holzverarbeitung, Beschlagtechnik und im Maschinenbau. Die Region fungiert zugleich als Innovationshub für Küchentechnik, Oberflächen, Vormontage-Logistik und automatisierte Fertigung.
Umsatzrückgang
Nach Angaben von Destatis erwirtschaftete die Möbelindustrie 2024 bundesweit etwa 16,3 Mrd. Euro Umsatz, was einem Rückgang von 7,8 Prozent gegenüber 2023 entspricht. 2025 setzte sich der Abwärtstrend fort: Vorläufig lagen die Umsätze bei rund 15,8 Mrd. Euro, ein Minus von 3,4 Prozent und der niedrigste Wert seit 2009. Damit befindet sich die Branche im dritten Jahr in Folge in einer nominalen Umsatzkontraktion, nach einem Nachfragehoch in der Corona-Zeit (Homeoffice, Wohnraumanpassung).
Die Rückgänge betreffen nahezu alle Segmente: Küchenmöbel, Matratzen, Büro- und Ladenmöbel sowie sonstige Wohnmöbel verzeichneten 2024 spürbare Umsatzverluste. Der Inlandsumsatz dominiert mit etwa zwei Dritteln der Gesamterlöse und ging stärker zurück als der Export. 2025 sank der Inlandsumsatz um etwa 4,4 Prozent auf 10,4 Mrd. Euro, während der Auslandsumsatz mit minus 1,2 Prozent auf 5,4 Mrd. Euro etwas stabiler blieb.
Nach starken Zuwächsen im Jahr 2022 ist die Region inzwischen ebenfalls vom Konsumabschwung getroffen. In OWL verbuchten die Küchenmöbelhersteller zuletzt Umsatzeinbußen von rund 6 bis 7 Prozent.
Ursachen der Krise
Wesentliche Belastungsfaktoren sind die Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte, angetrieben durch reale Einkommensverluste und die nach Corona „übererfüllte“ Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern wie Möbeln. Hinzu kommen höhere Finanzierungskosten, eine schwache Baukonjunktur sowie Unsicherheit durch Energiepreise und allgemeine wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen.
Beim Außenhandel drücken eine zunehmende Importkonkurrenz (insbesondere aus Osteuropa und Asien) sowie der Preisdruck des Handels auf die Margen und Kapazitätsauslastung. Gleichzeitig steigen die Kosten für Personal, Energie, Logistik und umweltbezogene Regulierungen, wodurch sich die Profitabilität vieler Hersteller verschlechtert hat.
Gegenstrategien
Generell sorgt die Clusterstruktur der OWL-Möbelindustrie für gewissen Basis-Wettbewerbsvorteile, z. B. hohe Spezialisierung, eingespielte Lieferketten, starke Marken und Exportkompetenz. Gleichwohl sind weitere strategische Anpassungen dringend geboten. Dazu gehören Effizienzsteigerungen durch die Digitalisierung, modulare Produktkonzepte und eine stärkere Differenzierung gegenüber günstigeren Importen.
Positiv hervorzuheben sind z. B. die Bielefelder Werkstätten (BW). Sie sind eine Polstermöbel- und Interior-Marke mit starkem Fokus auf hochwertige, langlebige Produkte „Made in Germany“. Das Unternehmen gehört zur JAB Anstoetz Group und ist damit in einen größeren, international agierenden Verbund für exklusive Wohntextilien, Sonnenschutz, Bodenbeläge und Möbel eingebettet.
Der zentrale Wettbewerbsvorteil der Bielefelder Werkstätten liegt in der Kombination aus klassischer Manufaktur, deutscher Fertigung, Premium-Positionierung und ganzheitlichem Einrichtungskonzept. Das Besondere ist weniger ein einzelnes Produkt als ein konsistentes, hochgradig differenziertes Marken- und Produktionsmodell.


