Individualisierte Möbelfertigung

Der Überlebenskampf von Interlübke

Der Möbelhersteller Interlübke aus Ostwestfalen versucht jetzt mit einer noch konsequenteren Individualisierung aus der Krise zu kommen. Das Unternehmen kombinierte schon länger die Kostenvorteile der Massenfertigung mit den Differenzierungsmöglichkeiten individueller Sonderlösungen (Mass Customization). 2024 stellte Interlübke die Fertigung sogar auf eine durchgängige Auftragsfertigung („Losgröße 1") um.

Möbel mit Tradition

  • 1937 gründeten die Brüder Leo und Hans Lübke in Rheda-Wiedenbrück eine Fabrik für polierte Schlafzimmermöbel. 1963 kam eine Schlafzimmerserie namens „Interlübke" auf den Markt. Sie gab dem Unternehmen seinen heutigen Namen. Die Marke sollte Assoziationen zu „Interieur" und „Internationalität" wecken. Die Grundwerte der Möbelproduktion sind bis heute Klarheit, Konsequenz und Qualität. 

  • Wirtschaftlich verlief die jüngere Geschichte allerdings deutlich turbulenter. Nach einem Rekordumsatz von rund 46 Millionen Euro (2007) setzte eine Schrumpfung ein. Das Unternehmen aus Rheda-Wiedenbrück ging in die Insolvenz, um dann mit neuen Gesellschaftern neu zu starten. 

  • Im April 2026 meldet die Lübke GmbH erneut Insolvenz an. Auslöser waren laut Mitgesellschafter Ralf Oehmke die Folgen des Iran-Kriegs: Das noch mit Öl beheizte Werk verzeichnete Mehrkosten von rund 50.000 Euro pro Monat. Dazu kamen wöchentliche Preiserhöhungen von Spediteuren sowie Holz- und Lacklieferanten und eine wegen der Wirtschaftslage zurückhaltende Kundschaft.

  • Im Juli 2026 steigt die familiengeführte Langhorst-Gruppeaus Rietberg ein. Der Investor übernimmt 87 der zuletzt rund 100 Mitarbeiter. Die bisherigen Gesellschafter Frank und Ralf Oehmke scheiden nach Medienberichten aus.

Die Krise traf nicht nur Interlübke: Die deutsche Möbelindustrie insgesamt setzte 2025 mit 15,8 Mrd. Euro so wenig um wie zuletzt im Krisenjahr 2009. Und jetzt erobern auch noch chinesische Massenfertiger mit Billigmöbeln den deutschen Markt.

Individualität

  • Die Individualisierung mit Premiumpreisen ist eine mögliche Gegenstrategie, um zu überleben. Ansätze zur Individualisierung bietet Interlübke durch Wunschlacke, Sondermaße, Sonderbohrungen und spezielle Ausschnitte (z. B. für Kabelführungen). 
  • Der sogenannte Inspirator ist eine Sammlung von über 400 Fotos von Möbelstücken in unterschiedlichen Wohnraumsituationen. Er soll Kunden Inspiration für die eigenen vier Wände liefern. Sie werden damit zu Mitgestaltern ihres Produkts, was höhere Preise gegenüber einfacher Standardware rechtfertigt.
  • Mit der Umstellung auf durchgängige Auftragsfertigung ab Mitte 2024 wurde diese Individualisierung noch weiter vertieft: Grundsätzlich wird erst nach Kundenauftrag produziert, nicht mehr auf Lager oder in Serie. Dadurch sinken die Lagerkosten und Abschreibungsrisiken.
  • Mit dieser Strategie können die Komplexitätskosten allerdings schnell aus dem Ruder laufen, wenn die Geschäftsprozesse nicht ausreichend automatisiert und digitalisiert sind. Der Fall Interlübke zeigt zudem, dass die Strategie allein keinen Schutz vor externen Schocks bietet: Trotz sinkender Verluste und geplanter erstmaliger Gewinne zwangen 2026 stark gestiegene Energie- und Rohstoffkosten sowie eine kaufzurückhaltende Kundschaft das Unternehmen erneut in die Insolvenz.

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Copyright: mittelstandsforum-westfalen.de | Dr. Michael A. Peschke.

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