Auf der Nordsee ist genug Wind, der aber nicht bzw. nicht effizient genug ins Landesinnere zu den deutschen Industriezentren kommt. Das ist teuer. Der Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion will das ändern. Er lässt gigantische Offshore-Konverterstationen (Netzanschlussplattformen) für den Windstromtransport in Cádiz bauen, die anschließend zu ihrem Standort in der Nordsee transportiert werden. In den nächsten Jahren sollen auch neue Stromtrassen dafür sorgen, dass der Offshore-Windstrom auch in die Mitte und in den Süden Deutschlands kommt.
Hintergründe zum Bau in Cádiz
Die rund 9 Milliarden Euro teuren Mega-Plattformen von rund 30.000 Tonnen dienen als Konverter-Drehkreuze auf dem Meer oder an Land, um den Wechselstrom der Windparks in Gleichstrom für den verlustarmen Transport zum Festland umzuwandeln. Wird Strom nicht konvertiert, kommt es beim Transport über extrem lange Strecke (hier über 160 Kilometer Seekabel plus über 200 Kilometer Erdkabel) zu massiven physikalischen Leitungsverlusten.
Die von Siemens Energy und Dragados Offshore in Cádiz gebauten Plattformen gehören zu einer neuen Leistungsklasse: Sie übertragen jeweils 2 Gigawatt (2.000 Megawatt) Leistung per Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung.
Zwei der wichtigsten Systeme, BalWin1 (ehemals LanWin1) und BalWin2 (ehemals LanWin3), befinden sich seit Sommer 2025 in der Hauptfertigung. Die Inbetriebnahme von BalWin1 ist für 2031 vorgesehen (nachdem der Termin wegen Baugrund- und Werftanpassungen von 2029 verschoben wurde), während BalWin2 für 2030 geplant ist. Zusammen können sie den Strombedarf von rund vier Millionen Menschen decken.
Was wird durch das Projekt eingespart?
Durch den Einsatz der gigantischen Konverterstationen werden im laufenden Betrieb der Stromnetze Milliardenbeträge eingespart. Wenn im Norden starker Wind weht, aber die Stromleitungen nach Süden voll sind, müssen Windparks abgeregelt werden. Die Betreiber werden dafür finanziell jedes Jahr mit rund 3 Milliarden Euro entschädigt, während im Süden fossile Kraftwerke hochgefahren werden müssen. Diese teure Notmaßnahme nennt sich Redispatch.
Auswirkungen auf Strompreise
Die milliardenschweren Investitionen für den Bau der Plattformen in Cádiz und das Verlegen der Kabel werden über die gesetzliche Offshore-Netzumlage auf den Strompreis umgelegt. Ohne den Bau dieser Stromautobahnen würden die Redispatch-Kosten durch den massiven Zubau von Windrädern im Meer allerdings unkontrolliert in die Höhe schießen, von heute rund 3 Milliarden Euro auf geschätzte 6 bis 10 Milliarden Euro pro Jahr. Damit würden auch die Netzentgelte für Verbraucher in den kommenden Jahren drastisch steigen.


