Immer mehr Mittelständler aus der Industrie flüchten krisenbedingt in die schuldenfinanzierte Rüstungswelt. Sie geben damit - so die Kritiker - ihre Werte und unternehmerischen Freiheiten auf. Hier dazu einige Aspekte.
Lage der deutschen Industrie
In einem Interview mit dem Ökonomen Daniel Stelter hat Oliver Barta, Hauptgeschäftsführer von Südwestmetall, bemerkenswert offen die Lage in der deutschen Metall- und Elektroindustrie geschildert. Es ist immer wichtig, dass man O-Töne aus der Branche bekommt. In den vergangenen Tagen habe ich auch mit einigen Brancheninsidern gesprochen, die die Aussagen Bartas weitgehend bestätigen. Hier das Wesentliche:
- Größte Krise der Bundesrepublik: Die Produktion liegt 15 Prozent unter dem Stand von 2018/19, die Beschäftigung nur 8 Prozent darunter. Die Lohnsumme ist trotzdem um 12 Prozent gestiegen. Rechnerisch ergibt sich daraus ein Überhang von 500.000 bis 600.000 Stellen.
- Schwache Ertragslage: Etwa die Hälfte der Unternehmen kommt auf eine EBIT-Marge von höchstens 2 Prozent. Die Banken finanzieren das Durchhalten immer seltener. Die Möglichkeiten zum Stellenabbau über natürliche Fluktuation und klassische Vorruhestandsregeln sind bald ausgeschöpft.
- Schrumpfung: Rund zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten in schrumpfenden Bereichen, 18 bis 20 Prozent in stagnierenden. 4 bis 5 Prozent sind in wachsenden Feldern tätig (Rüstung, Robotik, Medizintechnik) tätig. Der Verbrenner-Antriebsstrang sei „nicht zu reanimieren“ und müsse sozialverträglich abgewickelt werden. Die Innovationsbereiche bräuchten Lohnstückkosten, die zumindest in Europa konkurrenzfähig sind.
- Ursachen: Die qualitativen Alleinstellungsmerkmale der deutschen Industrie sind weg, beim Auto durch die E-Mobilität, im Maschinenbau durch Konkurrenz aus Asien. Vor allem China hat aufgeholt und bietet immer häufiger 20 - 25 Prozent günstiger und qualitativ mindestens gleichwertig an. Dazu kommen Energie, Steuern und eine ausufernde Regulierung (bei der LKW-Typzulassung etwa drei- bis viermal so viel Aufwand wie in Asien). Die Konkurrenz sitzt inzwischen auch in Europa, z. B. im Osten oder in Portugal.
- Nase voll: Die Unternehmer haben keine Lust mehr auf Diskussionen mit der Politik. Sie beobachten die Lage und treffen ihre Entscheidungen, immer häufiger zugunsten von Standorten im Ausland. In Deutschland wird seit Jahren nur noch das Nötigste investiert. Das geht an die Substanz.
- Was nötig wäre: Die Tarifparteien müssten die Arbeitskosten um etwa 15 Prozent senken, etwa über eine 40-Stunden-Woche wie bei Mercedes. Dazu müsste die Politik bei Steuern, Energie, Bürokratie und Sozialabgaben entlasten. Ein bloßer Verzicht auf neue Belastungen reiche nicht. Doch das ist wohl eine Illusion. Die als große Reformen verkauften Maßnahmen der Politik seien in Wahrheit Abgabenerhöhungen, etwa über höhere Beitragsbemessungsgrenzen. Der Sachverständigenrat rechnet sogar mit Sozialbeiträgen von 45,4 Prozent im Jahr 2030 und 49,7 Prozent im Jahr 2040.
Ausweg Rüstung
Neben der Abwanderung ins Ausland setzen immer mehr Mittelständler auf den politisch geförderten Rettungsanker “Rüstung”.





