Die übersehene Zahl: Über den Ölpreis wird seit Monaten in den Schlagzeilen berichtet. Eine Zahl kommt dabei kaum vor: Rohöl ist real rund 35 Prozent preiswerter als 2011. Damals kostete ein Barrel Brent über 110 Dollar. Mit der Inflation umgerechnet wären das heute gut 160 Dollar.
Aktuell notiert Brent trotz des Iran-Kriegs bei etwa 105 Dollar. Die Grafik zeigt: Der reale Ölpreis bewegt sich in einem Abwärtskanal, und der Kriegsaufschlag ist bisher nur eine Delle. In Gold gemessen liegt der Ölpreis heute sogar unter 10 Dollar.
Zu viel Öl im Markt
Der Grund ist ein Angebot, das schneller wächst als die Nachfrage. 2025 lag das weltweite Angebot im Schnitt bei 1,4 Mio. Barrel pro Tag über dem Verbrauch, im zweiten Halbjahr sogar bei über 2 Millionen. Für 2026 erwartete die Internationale Energieagentur (IEA) im Februar einen Überschuss von 3,7 Mio. Barrel pro Tag. Im Dezember 2025 fiel Brent auf unter 59 Dollar.
Dann kam der Iran-Krieg und blockierte die Straße von Hormus. Der Überschuss wurde von außen künstlich verknappt. Die IEA erwartet bis Jahresende ein Defizit. Für 2027 rechnet sie aber wieder mit bis zu 5 Mio. Barrel Überschuss pro Tag. Die Knappheit beim Rohöl ist also geopolitisch und vorübergehend, nicht strukturell.

Der Crack-Spread explodiert
An der Zapfsäule spürt man davon wenig. Diesel kostet in Deutschland rund 2,30 Euro je Liter, obwohl der Staat die Energiesteuer gesenkt hat. Der Treiber ist nicht das Rohöl, sondern der Crack-Spread.




