Der Iran-Krieg ist weitgehend aus den Medien verschwunden. In den Sommermonaten sorgten andere Themen für Ablenkung. Doch die alten Probleme sind noch da. Die Straße von Hormus, durch die sonst rund 20 Prozent der weltweiten Öl-, Gas- und Düngemittel-Produktion transportiert werden, ist weiterhin geschlossen. Zudem wurden zahlreiche Raffinerien in Russland zerstört. Das lässt auf einen heißen Herbst mit steigenden Energiepreisen schließen.
Deutschland
Der neue Energieschock kommt nicht als Wiederholung des Jahres 2022 daher. Deutschland ist heute breiter an den Weltmarkt angebunden, verfügt über LNG-Terminals und hat die direkte Abhängigkeit von russischem Pipelinegas stark reduziert, dafür jedoch die US-Abhängigkeit erhöht.
Doch damit ist die Verwundbarkeit nicht verschwunden – sie hat sich verlagert: auf geopolitisch riskante Seewege, volatile LNG-Märkte, knappe Speicherpuffer und ungewöhnlich hohe Raffinerie-Margen bei Kraftstoffen.
Die Preisbewegungen des Frühherbstes zeigen, wie eng Öl, Gas, Diesel und Strom inzwischen miteinander verbunden sind. Entscheidend ist nicht allein, ob physisch genug Energie verfügbar ist. Entscheidend ist, zu welchem Preis die nächste Einheit importiert, gespeichert, verarbeitet und schließlich an Haushalte sowie Unternehmen weitergegeben werden muss.
Öl: Der Preis der Unsicherheit
Der Rohölmarkt reagiert besonders unmittelbar auf die Eskalation im Nahen Osten. Anfang September stieg die internationale Referenzsorte Brent zeitweise auf rund 95 bis 97 US-Dollar je Barrel. Auslöser waren die erneuten Spannungen zwischen den USA und Iran sowie die Sorge vor Störungen an der Straße von Hormus. Die Meerenge ist ein neuralgischer Punkt des Welthandels. Schon die Aussicht auf Verzögerungen, höhere Versicherungsprämien oder Umwege genügt, um Händler zu Risikoaufschlägen zu veranlassen.





