Tennis US-Open exklusiv

Der strategische Aufstieg von Sporteurope.tv

Den Streaminganbieter Sporteurope.tv kannte vor wenigen Jahren kaum jemand. Nun berichtet er in Deutschland exklusiv über die Tennis US-Open, ein tradionsreiches Top-Sportereignis mit immerhin über 500 Mio. Euro Umsatz. Hier die Erfolgsstory mit der Strategie dahinter.

Geschichte des Senders

Wenn am 30. August die Hauptrunde der US Open in New York beginnt, sitzt das prominenteste deutsche Tennis-Expertenteam nicht am Arthur-Ashe-Stadium, sondern in einem Studio in Düsseldorf. Boris Becker, Barbara Rittner und Matthias Stach begleiten von dort aus die Übertragung des letzten Grand-Slam-Turniers des Jahres – exklusiv für Sporteurope.tv.

Die Geschichte des Senders beginnt weit ab vom großen Sportgeschäft. 2011 gründete der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zusammen mit der GIP Media Productions GmbH die DOSB New Media GmbH, um Onlineangebote für den deutschen Sport zu entwickeln. Im August 2014 ging daraus Sportdeutschland.TV hervor, ein Nischenkanal, der Sportarten zeigte, die im klassischen Fernsehen kaum Platz fanden. 

2015 stieg ProSiebenSat.1 mit 57,5 Prozent ein, verließ die Plattform aber 2022 wieder – ebenso wie der DOSB als Mehrheitsgesellschafter. Geleitet wird das Unternehmen von Gründer und CEO Björn Beinhauer. Im Juli 2026 holte sich die Plattform zudem den erfahrenen Ex-Sport1-Manager Tim Schnabel als Chief Operating Officer (COO) ins Boot, um das internationale Wachstum und die Plattformentwicklung voranzutreiben

Der US-Open-Deal

Der eigentliche Wendepunkt kam 2023: Völlig überraschend sicherte sich die DOSB New Media GmbH die Medienrechte an den US Open für die Jahre 2023 bis 2027 – einen Fünfjahresvertrag mit dem amerikanischen Tennisverband USTA. Ein Sender, der bis dahin vor allem Randsportarten übertrug, wurde damit zum Hauptrechteinhaber eines der prestigereichsten Turniere im Welttennis – noch vor Eurosport, das die US Open zuvor jahrelang im deutschen Free-TV zeigte. Wie war das möglich?

  • Aggressives, langfristiges Bieten: Die Betreibergesellschaft ging All-in und sicherte sich einen langfristigen Fünfjahresvertrag. Eurosport war nach dem Auslaufen des alten Vertrages im Jahr 2022 nicht bereit oder in der Lage, das finanzielle Angebot der Digitalplattform zu matchen. 
  • Umfang der Berichterstattung: Sporteurope.tv garantierte der United States Tennis Association (USTA) eine lückenlose Übertragung. Während Eurosport im linearen Fernsehen oft nur ausgewählte Top-Matches zeigen konnte, streamt Sporteurope.tv jedes einzelne Turnierspiel auf den Courts im Hauptfeld parallel und bietet zudem eine Live-Konferenz an.
  • Sublizenzierung als Erlösmodell: Um das finanzielle Risiko zu minimieren, refinanzierte sich Sporteurope.tv unter anderem dadurch, dass sie eine umfassende Sublizenz an den Pay-TV-Sender Sky (inklusive WOW) weiterverkauften.

Strategische Erfolgsfaktoren 

  • Flexibilität ohne Abo-Zwang: Im Gegensatz zu klassischen Streaming-Riesen setzt die Plattform stark auf ein Pay-per-View-Modell. Fans kaufen gezielte Event-Pässe (wie den „All-Access-Pass“ für die US Open), statt langfristige Verträge abzuschließen. 
  • Extreme inhaltliche Breite (Longtail-Strategie): Neben Premium-Events überträgt die Plattform über 70 Sportarten, darunter viel Nachwuchs-, Amateur- und Breitensport sowie Randsportarten (z. B. Eishockey-Unterligen, Handball, Volleyball, Futsal). Sie bündelt Inhalte, die im klassischen Fernsehen keinen Platz finden.
  • Hohe redaktionelle Qualität bei Top-Events: Für Großereignisse verpflichtet die Plattform namhafte Experten und etablierte TV-Gesichter (wie das ikonische Tennis-Duo Boris Becker und Matthias Stach), um redaktionell auf Augenhöhe mit den etablierten TV-Sendern zu agieren. 
  • Internationale Expansion: Mit dem Rebranding im Jahr 2025 wurde die Plattform für den paneuropäischen Markt skaliert, um über den DACH-Raum hinaus zu wachsen. 

Aus einem Nischensender für Randsportarten ist damit innerhalb von wenigen Jahren ein ernstzunehmender Player im deutschen Sport-Streaming-Markt geworden – mit einer im April 2026 geschlossenen Partnerschaft mit dem Deutschen Tennis Bund als jüngstem Beleg dafür, dass der einstige Außenseiter im Tennisgeschäft angekommen ist.

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