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02.03.2026

Distressed M&A

Kauf notleidender und insolventer Unternehmen

iStock, whyframestudio

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt seit den Zinserhöhungen und der anhaltend schwachen Wirtschaftslage weiter deutlich an. 2025 wurden in Deutschland rund 23.900 Unternehmensinsolvenzen registriert – so viele wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Erwerb notleidender oder insolventer Unternehmen (Distressed M&A) wieder an Bedeutung. Strategischen Käufern, Investoren und Sanierern mit Kapital bieten sich gute Einstiegsgelegenheiten. Wettbewerber lassen sich günstig in das eigene Portfolio integrieren, Sanierer können Betriebe übernehmen, restrukturieren und mit Wertsteigerung wieder veräußern.

Voraussetzungen

Der Einstieg in ein insolventes oder restrukturierungsbedürftiges Unternehmen erfordert spezifische Expertise und eine umsichtige Prüfung. Erfolgversprechend ist ein Engagement nur, wenn:

  • das Geschäftsmodell grundsätzlich tragfähig bleibt und die Insolvenz auf Managementfehler oder externe Schocks zurückzuführen ist,
  • die Gläubiger kompromissbereit und zu Zugeständnissen bereit sind,
  • eine operative Basis mit relevanten Produkten, Kundenbeziehungen und Vermögenswerten vorhanden ist.

Zudem gilt: Nur wer sich mit den Fallstricken des Insolvenzrechts auskennt, sollte in Distressed-Situationen agieren. Der Kauf sollte bevorzugt aus dem Insolvenzverfahren heraus erfolgen, idealerweise nach dem Berichtstermin, wenn die Lage hinreichend transparent ist. Die Einbindung erfahrener Juristen und M&A-Berater mit Distressed-Kompetenz ist dabei unerlässlich.

Strukturierung und Umsetzung

  • Beim Kauf notleidender und insolventer Unternehmen ist die richtige Transaktionsstruktur entscheidend:
  • Rechtsform: In der Regel wird ein Asset Deal gewählt, bei dem betriebsnotwendige Vermögenswerte auf eine Auffanggesellschaft übertragen werden. Dies reduziert Altlasten und schafft eine saubere Basis für die Sanierung.
  • Stakeholder-Management: Banken, Schlüsselkunden, Lieferanten und Arbeitnehmervertreter müssen frühzeitig einbezogen werden. Gerade in öffentlichkeitswirksamen Fällen, wie z. B. bei Galeria Karstadt Kaufhof, spielen auch Städte oder Kommunen eine wichtige Rolle, z. B. bei Standortentscheidungen und Fördermitteln.
  • Verträge: In der Insolvenz können viele Vereinbarungen (Miete, Leasing, Lieferverträge) neu verhandelt oder beendet werden. Eine konsequente Vertragsinventur schafft Transparenz und Handlungsspielraum.

Von der Insolvenz zur Neuausrichtung

Nach dem Erwerb beginnt die eigentliche Arbeit: die Restrukturierung und strategische Neupositionierung. Nicht zum Kerngeschäft gehörende Aktivitäten werden ausgelagert oder eingestellt. Kostenstrukturen und Prozesse müssen schlank und wandlungsfähig werden. Das Know-how der Belegschaft ist dabei entscheidend. Viele Mitarbeiter verfügen über konkretes Wissen zur Umsetzung schneller Verbesserungen. Wenn der operative Druck nachlässt, ist das Unternehmen strategisch neu aufzustellen – mit Fokus auf zukunftsfähige Geschäftsmodelle, profitablen Kundensegmenten und differenzierten Produkten.

Fazit: Distressed M&A verlangt Erfahrung, Präzision und gute Nerven, bietet aber in schwierigen Marktphasen außergewöhnliche Chancen. Wer Kapital, Branchenkenntnis und ein belastbares Netzwerk aus Juristen, Restrukturierungsexperten und Finanzierern mitbringt, kann aus der Krise heraus wachstumsstarke Unternehmenswerte schaffen.

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