Bis vor Kurzem waren die Medien voll mit dem Thema „Fachkräftemangel“. Doch das scheint nun vorbei zu sein. Im Gegenteil, die Arbeitslosigkeit steigt in Deutschland wieder. Leider betroffen sind davon auch immer mehr Hochschulabsolventen. Hier ein Überblick.
Arbeitslosenzahlen
Im Oktober 2025 waren in Deutschland laut offizieller Statistik der Bundesagentur für Arbeit etwa 2,9 Millionen Menschen als arbeitslos gemeldet. Das sind rund 120.000 mehr als im Vorjahresmonat. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt damit bei 6,2 Prozent.
Doch diese Zahlen beinhalten nicht die Arbeitslosen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen (z.B. Qualifizierung, Aktivierung, Weiterbildung). In der „versteckten Arbeitslosigkeit“ sind immerhin 644.000 Personen.
Junge Menschen
Besonders stark ist der Zuwachs der Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen und jungen Menschen unter 25 Jahren. Er liegt in einige Regionen über 24 Prozent gegenüber Vorjahr.
Hochschulabsolventen
Deutlich gestiegen ist 2025 die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen und Berufseinsteigern in Deutschland. Für junge Akademiker unter 30 Jahren kletterte die Zahl der Arbeitslosen bis September 2025 auf über 46.000. Das ist eine Steigerung um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark betroffen sind Absolventen aus bestimmten Studienfeldern wie Medien, Marketing, Biowissenschaften und Geisteswissenschaften.
Die Hauptfaktoren sind eine schwache Wirtschaftsleistung, weniger offene Stellen mit akademischen Anforderungen, demografische Veränderungen, aber auch erste Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz. So verwundert es nicht, dass viele Unternehmen deutlich mehr Bewerber pro Stelle als vor zwei Jahren verzeichnen.
IT-Sektor
Was jedoch verwundert: Auch junge IT-Absolventen haben erstmals seit Jahren spürbar größere Schwierigkeiten beim Job-Einstieg. Die Zahl arbeitsloser Informatiker und IT-Fachkräfte ist 2024 und 2025 deutlich gestiegen. Sie liegt aktuell bei rund 3,7 Prozent, was für diesen Sektor ein historischer Höchststand ist. Der schnelle Vormarsch von Künstlicher Intelligenz führt dazu, dass einfachere Aufgaben oft digitalisiert werden, während Unternehmen für komplexe IT-Positionen zunehmend Spezialwissen erwarten. Doch solche Spitzenkräfte sind rar. In den USA ist die Lage noch krasser. Im Silicon Valley werden IT- und selbst KI-Fachkräfte im großen Stil entlassen.
Fachkräftemangel?
Daher ist der viel zitierte Fachkräftemangel aktuell deutlich differenzierter zu bewerten als in den Vorjahren: Ein akuter Mangel betrifft inzwischen vor allem einzelne spezialisierte Berufsgruppen, während er für große Bereiche wie IT, Ingenieurwesen und Maschinenbau aktuell nicht mehr flächendeckend besteht, sondern sogar ein Überangebot an Bewerbern besteht. Engpässe gibt es vor allem bei Pflegekräften, medizinischen Berufen und bestimmten spezialisierten MINT-Bereichen wie Bauingenieurwesen, Gebäudetechnik oder Elektrotechnik.
Es bleibt der Eindruck, dass der viel zitierte Fachkräftemangel auch dazu verwendet wird, die starke Zuwanderung politisch zu begründen. Vergessen wird schnell, dass aktuell nur rund 50 Prozent der Migranten in Deutschland erwerbstätig sind. Das ist neben demografischen Veränderungen ein weiterer Faktor für die hohe Belastung der Sozialsysteme, die wir alle aktuell in steigenden Sozialabgaben spüren.
Copyright: Dipl.-Ökonom Dr. Michael A. Peschke, Mittelstandsforum Westfalen | E-Mail-Kontakt




