03.11.2025

Ist das CO2-Narrativ tot?

Deutschland muss allein die Welt retten

iStock, Sakorn Sukkasemsakorn
Ist das CO2-Narrativ tot?

Kolumne | Trends & Fakten

Dr. Michael A. Peschke

International sind das CO2-Narrativ und die Klimahysterie auf dem Rückzug. Nur Deutschland und die EU fechten noch einen Kampf zu Lasten der Steuerzahler und des Mittelstands.

Nachdem im Oktober bereits internationale Großbanken ihre 2021 gegründete Net-Zero Banking Alliance (NZBA) aufgelöst haben, hat nun auch Bill Gates das Klima-Narrativ jüngst öffentlich kritisch hinterfragt und einen Kurswechsel in der globalen Klimadebatte gefordert. Die USA sind unter Trump bereits einige Wochen vorher ausgestiegen. China war nie dabei. Damit wird es einsam um Deutschland und die EU, wo eisern am Klima-Narrativ festgehalten wird und die steigenden Energiepreise die Deindustrialisierung vorantreibt. Es wird Zeit, mal ideologiefrei und faktenbasiert zu hinterfragen, warum immer mehr aussteigen und wer eigentlich von der CO2-Politik profitiert.

Aussteiger

  • Climate Banking Alliance: Die NZBA wurde 2021 unter der UN-Umweltinitiative gegründet, um Banken weltweit auf einen Kurs zur Klimaneutralität bis 2050 zu verpflichten. An ihrem Höhepunkt vereinte sie fast 150 Großbanken, die rund 40 Prozent des globalen Bankvermögens repräsentierten. Doch nach dem Wiedereinzug von Präsident Donald Trump ins Weiße Haus im Januar 2025 traten bereits viele große US-Banken (darunter JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Bank of America und Morgan Stanley) aus. Am 3. Oktober 2025 gaben nun die verbliebenen Mitglieder bekannt, ihre operative Tätigkeit sofort einzustellen.
  • Ende Oktober hat nun auch der rastlose „Philanthrop“ Bill Gates, der in den letzten Jahren eher als oberster Pharmaverkäufer aufgetreten ist, in seinem Blog „Gates Notes“ betont, dass der Klimawandel zwar ein ernstes Problem sei, die Menschheit jedoch nicht auslöschen werde. Gates kritisierte, dass die weltweite Klimapolitik zu stark auf kurzfristige Ziele zur Emissionsreduzierung und auf „Weltuntergangsszenarien“ fixiert sei.

Warum nun die Rolle rückwärts von so vielen mächtigen Institutionen und Personen? Offensichtlich bringen die vielen Klimaprojekte und und Klimafonds zu wenig Rendite. Investoren und Pensionsfonds ziehen ihre Gelder ab. Auch die „woke“ Welle ebbt in den Konzernen ab. Immer mehr Konsumenten boykottieren diese Richtung.

Profiteure

Vom CO2-Narrativ und dem CO2-Handel haben in den letzten Jahren vor allem große Industriekonzerne, emissionsintensive Unternehmen (wie Energieversorger und Zementhersteller) sowie Staaten durch staatliche Einnahmen maßgeblich profitiert.

  • Staaten: Deutschland und andere EU-Länder erzielten aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten Rekordeinnahmen, allein Deutschland 2024 rund 18,5 Mrd. Euro. Diese Gelder fließen oft in Klimafonds und zur Finanzierung von Transformations- und Sozialprojekten, entlasten jedoch auch Staatsbudgets.
  • Energie- und Industrieunternehmen: Besonders energieintensive Branchen wie Stahl, Chemie, Zement, Raffinerien und teilweise Stromerzeuger erhalten teilweise kostenlose Zertifikate, die sie gewinnbringend weiterverkaufen oder anrechnen können.
  • Unternehmen aus dem Energiesektor werden zudem durch eine Strompreiskompensation „entlastet“. Das heißt, sie bekommen Zahlungen, um gestiegene Preise wettzumachen. Viele Energiekonzerne geben Zertifikatskosten dann einfach an die Endkunden weiter, profitieren aber gleichzeitig durch direkte Zuteilungen und Kompensationszahlungen.
  • Öl-, Gas- und Kohlekonzerne: Die größten Verursacher weltweit sind Konzerne wie ExxonMobil, Shell, BP, Chevron, RWE oder HeidelbergCement. Sie profitieren von den Regelungen, etwa durch geschickte Nutzung des Zertifikatehandels, aber auch, weil sie weiterhin hohe Gewinne im Kerngeschäft erzielen konnten und Emissionskosten häufig einfach an die Verbraucher weitergeben. Mit anderen Worten: Sie verdienen doppelt.
  • Thyssenkrupp erhält z. B. fünfmal mehr kostenlose Zertifikate als tatsächlich benötigt wurden. Dadurch war ein lukrativer Verkauf oder Tausch gegen günstigere internationale CO2-Gutschriften möglich.
  • Tesla allein erhielt 2024 CO2-Gutschriften von 2,8 Mrd. US-Dollar.

Und wer hat die Zeche vor allem gezahlt? Es sind die Steuerzahler und der deutsche Mittelstand!

Ist die Kuh nun gemolken?

Warum also jetzt der internationale Ausstieg?

  • Wirtschaftliche Sättigung: Die attraktivsten Geschäftsmodelle ("CO2-Markt", Grünstromförderungen, Zertifikatehandel) sind weitgehend ausgereizt. Die Kapitalströme verlagern sich wieder Richtung fossile Energien, Infrastruktur und Kernkraft (wegen Künstlicher Intelligenz).
  • Politische Machtverschiebungen: Der politische Wind hat sich vor allem in den USA nach der Trump-Rückkehr und infolge globaler Wirtschaftskrisen klar gedreht. Die Republikaner forcieren aktiv einen Rückzug aus transnationalen Klimaabkommen (z. B. Pariser Abkommen), bauen fossile Energieförderung gezielt wieder aus und schwächen die rechtliche Basis für Klimaschutzpolitik.

Deutschland und die EU

Deutschland und die EU halten trotz globaler Kurskorrekturen weiterhin am Klima-Narrativ und ihren völlig unrealistischen Zielen fest. Dies liegt weniger an „Verrücktheit“ als an strukturellen, politischen und internationalen Zwängen.

  • Völkerrechtliche Verpflichtungen: Die EU und Deutschland sind durch das Pariser Klimaabkommen und weitere internationale Verträge gebunden. Eine Abkehr würde Vertragsstrafen, Imageschäden und Handelssanktionen riskieren – Deutschland allein ist für rund ein Fünftel der gesamten EU-Emissionen verantwortlich.
  • Wirtschaftliche und politische Interessen: Mit dem Green Deal und dem „Fit-for-55“-Programm ist ein großflächiges Umbauprogramm verbunden, das politische Investitionen, Unternehmensförderung, Lobbyinteressen und Regulierung schafft. Millionen Jobs und Milliardeninvestitionen hängen am Narrativ und werden auch von Wirtschafts- und Finanzakteuren vorangetrieben, die von Subventionen, Marktschutz und Investitionssicherheit profitieren.

Klimaschutz bleibt in Deutschland noch politisch mehrheitsfähig. Linke Partien, Gewerkschaften und Umweltverbände fordern weiterhin ambitionierte Vorgaben und setzen die Politik unter öffentlichen Druck. Doch allmählich bröckelt die heile Welt, weil in Deutschland die Arbeitslosigkeit und Insolvenzzahlen steigen. Zudem fragen sich immer mehr Bürger, warum Deutschland allein die Welt auf Kosten des erarbeiteten Wohlstands retten soll. In einer Demokratie sollten auch kritische Stimmen dazu gehört werden.

Umweltschutz ist wichtig

Generell fällt mir persönlich als Betreiber eines großen Naturgartens auf, dass der Umwelt-, Natur- und Tierschutz, um den es früher richtigerweise vor allem ging auch medial ins Hintertreffen gerät. Der Fokus liegt m. E. zu stark auf das abstrakte Thema "Klima". Kriege, Plastikmüll, Monokulturen und Waldrodungen sind nur einige der größten Umweltsünden, die abgestellt werden sollten.

Auch die Ignoranz der sogenannten Klimaschützer und Politiker ist ein Ärgernis. Sie reisen mit Privatjets und Mega-Yachten zur Klimakonferenz z. B. zur COP30 nach Belém (Brasilien). Dort wurde, man mag es kaum glauben, geschützter Amazonaswald gerodet, um eine neue vierspurige Straße namens “Avenida Liberdade” zu bauen. Die Straße durchschneidet mehrere geschützte Naturräume und war als Infrastrukturmaßnahme für die erwarteten rund 50.000 Teilnehmer gedacht. Die gerodete Strecke beträgt etwa 13 Kilometer (ca. 8 Meilen). Diese Maßnahme hat berechtigterweise zu weltweiter Kritik geführt, da sie als widersprüchlich zu den Zielen einer Klimaschutzkonferenz in der Region mit dem größten Regenwald gilt. Das ist, um es kurz zu machen: "Wasser predigen und Wein saufen".

Copyright: Dipl.-Ökonom Dr. Michael A. Peschke, Mittelstandsforum Westfalen | E-Mail-Kontakt

copyright Mittelstandsforum Westfalen